Vitamin B6

Vitamin B6: wichtig für viele Prozesse im Körper – auch für das Auge als Vitamin!

Vitamin B6, auch als Pyridoxin bezeichnet, wirkt an der Regelung einer Reihe von lebenswichtigen Vorgängen im Körper mit.

Hinter der Bezeichnung verbergen sich drei Verbindungen, die, chemisch gesehen, eine große Ähnlichkeit aufweisen: Pyridoxol, Pyridoxal und Pyridoxamin. Sie stellen die Ausgangsstoffe für wichtige Koenzyme dar, die unter anderem am Aminosäure- und Fettstoffwechsel beteiligt sind.

Koenzyme sind Bestandteile von Enzymen. Das sind Einweißmoleküle, die als Katalysatoren im Stoffwechsel fungieren. Vitamin B6 ist unverzichtbar für den Um- und Abbau von Aminosäuren im Eiweißstoffwechsel. Im Nervensystem spielt es eine Rolle bei der Bereitstellung von sogenannten biogenen Aminen, die für die Reizweiterleitung im Nervensystem benötigt werden. Außerdem ist es in die Synthese der Neurotransmitter involviert. Das sind biochemische Botenstoffe in den Nervenzellen, ohne die die Signalübertragung nicht möglich ist.

Wie viel Vitamin B6 braucht der Mensch?

Der tägliche Bedarf beträgt für Frauen etwa 1,2 bis 1,6 mg, bei Schwangeren und Stillenden bis zu 1,9 mg. Männer sollten bis zu 1,8 mg pro Tag aufnehmen. Bei der Dosierung von Vitamin B6 Präparaten sollte man sich an diesen Werten orientieren, um eine Überdosierung zu vermeiden.

Welche Lebensmittel enthalten viel Vitamin B6?

Das Vitamin ist wasserlöslich und wird hauptsächlich über die Darmschleimhaut des oberen Dünndarms aus der Nahrung aufgenommen. Nahezu alle Lebensmittel enthalten Vitamin B6 in unterschiedlicher Menge. Ein sehr hoher Anteil steckt in

  • Hühnerfleisch,
  • Putenbrust,
  • Rinderfilet, aber auch in
  • Schweinefleisch und
  • Leber.

Größere Konzentrationen findet man ebenfalls in Milch und Milchprodukten, Getreide und Getreideprodukten und in Fisch. Sehr gute Vitamin B6 Quellen stellen darüber hinaus Gemüsesorten, wie z. B. Hülsenfrüchte, Kartoffeln, Spinat sowie Nüsse, Hefe und Avocados dar.

Beachtet werden muss, dass das Vitamin nicht hitzestabil ist und außerdem durch Sonnenstrahlung seine Wirkung verliert. Das heißt, schonendes Garen in wenig Wasser und die Aufbewahrung im Dunkeln schützen das Vitamin.

Vitamin B6 Mangel: Ursache und Wirkung

Ein Mangel an Vitamin B6 kann durch eine reduzierte Zufuhr oder einen vermehrten Verbrauch ausgelöst werden. Bei einer normalen Ernährung ist die Versorgung mit Vitamin B6 ausreichend und Vitaminmangelzustände sind selten. Jedoch haben die einzelnen Substanzen der Vitamin B6 Gruppe eine unterschiedliche Wirksamkeit im Körper und sind in unterschiedlichen Anteilen in pflanzlichen und tierischen Nahrungsmitteln enthalten.

Da über tierische Produkte die erforderliche Vitamin-Menge leichter erreicht wird, sollte bei vegetarischer und veganer Ernährung auf eine ausreichende Vitamin B6 Zufuhr geachtet, gegebenenfalls ergänzt werden. Ein erhöhter Bedarf liegt bei einer Schwangerschaft vor, aber auch bei einem erhöhten Protein-Umsatz.

Bei einem gesteigerten Eiweißstoffwechsel infolge einer vermehrten Aufnahme von Einweiß aus der Nahrung steigt der Verbrauch von Vitamin B6. Zu einem krankheitsbedingten Vitamin B6 Mangel kann es bei schwerwiegenden Verdauungsstörungen, bei einer Mangelernährung oder Alkoholabhängigkeit kommen.

Bei Muttermilchersatz-Produkten wird standardgemäß Vitamin B6 zugesetzt, um einen Mangel beim Neugeborenen zu verhindern. In seltenen Fällen wurden unter dem Einfluss hormoneller Verhütungsmittel Vitamin B6 Mangelzustände diagnostiziert. Auch der langwierige Gebrauch von Isoniazid (Antibiotikum gegen Tuberkulose) und D-Penicillamin (bei Schwermetallvergiftungen und in der Rheumatherapie) sowie Dialyse bei schweren Nierenerkrankungen können zu einer unzureichenden Vitamin B6 Konzentration im Körper führen.

Vitamin B6 wird nur kurzzeitig im Körper gespeichert. Auf Grund seiner enormen Bedeutung im Stoffwechsel, zeigt sich ein Vitamin B6 Mangel sehr rasch und auf verschiedene Weise. Appetitsverlust, Durchfall und Erbrechen sowie entzündliche Reaktionen der Haut stehen meist am Anfang. Schuppende Hautausschläge im Gesicht und auf dem Kopf sowie Entzündungen im Mundraum werden dann festgestellt.

Wegen seiner Bedeutung im Nervensystem zeigen sich auch dort sehr rasch die Auswirkungen. Schlafstörungen, Depressionen, Störungen in der Koordination und Taubheitsgefühle sind hier die Symptome. Im Blut finden sich veränderte rote Blutkörperchen. Sie führen zu einer Anämie („Blutmangel“), die als Laborparameter bei einer Blutentnahme feststellbar ist.

Wie wirkt sich eine Überdosierung aus?

Überdosierungen von Vitamin B6 sind über die Ernährung kaum möglich. Bei zusätzlicher Aufnahme über ein Nahrungsergänzungsmittel sollte der Tagesbedarf nicht überschritten werden. Dosierungen über fünf Milligramm können ebenfalls zu Störungen, vorrangig im Nervensystem, führen.

Schmerzen, Taubheitsgefühl, Gangauffälligkeiten, eingeschränkte Temperaturempfindlichkeit und Reflexe sowie Gedächtnisstörungen wurden beschrieben. Hautveränderungen sind ebenfalls möglich. Vor Einnahme von Vitaminpräparaten sollte man sich deshalb beraten lassen, da im Falle von Vitamin B6 die Anwendung mehr schaden als nutzen könnte.

Einfluss von Vitamin B6 auf das Auge

Veränderte Vitamin B6 Spiegel wirken sich auch im Auge aus. Ein Mangel kann eine Bindehautentzündung hervorrufen. Bei einem erhöhten Wert kann eine Lichtempfindlichkeit des Auges auftreten.

Davon abzugrenzen ist eine vererbte Erkrankung, die Ornithinämie, die die Augen betrifft und für deren Therapie Vitamin B6 eingesetzt wird. Ornithinämie bedeutet, dass im Blut vermehrt die Aminosäure Ornithin auftritt. Ursache ist ein Enzym-Defekt, der die Umwandlung der Aminosäure Ornithin einschränkt.

Da diese Aminosäure nicht für den Aufbau von Eiweißen benötigt wird, häuft sie sich massiv an und führt zu Schäden in der Netzhaut des Auges und damit zur Atrophia gyrata, wie diese Erkrankung auch bezeichnet wird. Kennzeichnend ist eine Netzhaut-Aderhaut-Dystrophie (Fehlentwicklung), die sich als fortschreitende Augenschädigung präsentiert.

Diese Erkrankung ist extrem selten. In Deutschland wurden etwa 100 Betroffene gezählt. Die Schäden werden im ersten bis zweiten Lebensjahrzehnt wahrgenommen, zunächst als Nachtblindheit und Blendungsempfindlichkeit. Später kommen Gesichtsfeldausfälle hinzu. Therapeutisch bedeutsam ist neben einer eiweißarmen Diät die Behandlung mit Vitamin B6. In einigen Fällen trat infolge der Stimulation des betroffenen Enzyms durch Vitamin B6 eine deutliche Verbesserung auf.

Die Wirkung von Vitamin B6 als Nahrungsergänzung bei älteren Menschen wurde vielfach hinsichtlich dessen Wirkung auf die Augenfunktion untersucht. Wenn die bisher publizierten Daten auch noch nicht eindeutig sind, scheint jedoch festzustehen, dass die Augenlinse sehr empfindlich auf einen Nährstoffmangel reagiert.

Eine australische Studie mit 3000 Teilnehmern kommt zu dem Schluss, dass ein Vitamin B Komplex aus B6, B12 und Folsäure vor einem altersbedingten Grauen Star (Katarakt) schützen kann. Auch bei Grünem Star (Glaukom) zeigten Daten, dass sich die Therapieerfolge mit der Gabe einer Kombination aus den Vitamin B6 und B12 sowie Folsäure verbessern lassen.

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